Kevin Trapp ist bei Eintracht Frankfurt eine Institution – sportlich wie emotional. Als Kapitän und Wortführer gilt er als unangefochtener Anführer. Und doch wankt seine Position. Der 34-Jährige war beim Europa-League-Triumph 2022 der entscheidende Rückhalt. Besonders im Finale gegen die Glasgow Rangers ragte er heraus – mit starken Paraden und einem gehaltenen Elfmeter im Elfmeterschießen. Ohne ihn hätte die Eintracht den größten Erfolg seit Jahrzehnten wohl nicht gefeiert.
Doch inzwischen ist Trapp längst nicht mehr unantastbar. Sportlich konnte er in den letzten Monaten nicht mehr an seine Hochform aus der Saison 2021/22 anknüpfen. 2022 wurde er noch als Welttorhüter nominiert, doch danach verlor er seinen Platz im DFB-Kader – und mit der Zeit auch seine Sicherheit im Vereinstor.
Risse in der Hierarchie – der Sommer brachte Veränderung
Noch vor der aktuellen Saison war die Rollenverteilung klar: Trapp als Nummer 1, dahinter Jens Grahl und der junge Kaua Santos. Doch die Rangordnung verschob sich: Grahl, zuletzt die Nummer 2, wurde zurückgestuft und sollte fortan als Mentor fungieren. Der Brasilianer Santos, 2023 für rund 1,5 Millionen Euro von Flamengo geholt, rückte auf – und wurde intern als zukünftige Nummer 1 aufgebaut.
Der 1,98 Meter große Keeper beeindruckte im Training mit seiner Ruhe, seiner Reichweite und seiner Präsenz im Strafraum. Ziel war es, ihn behutsam aufzubauen – doch eine Verletzung Trapps am dritten Spieltag beschleunigte den Prozess. Beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg musste Trapp mit einem Muskelfaserriss in der Halbzeitpause raus – und Santos bekam seine Chance.
Kaua Santos: Talent, Timing, Temperament
Was folgte, war ein kleiner Höhenflug. Gegen Besiktas Istanbul im Europapokal und später auch gegen Bayern München zeigte der Brasilianer starke Leistungen, glänzte bei hohen Bällen und ließ seine Reaktionsschnelligkeit aufblitzen. Er wirkte unerschrocken – und stellte unter Beweis, dass er mehr als ein Perspektivspieler ist.
Allerdings blieb auch Santos nicht fehlerfrei. Im Heimspiel gegen Mainz 05 im Dezember 2024 erlebte er einen bitteren Abend. Beim 1:3 unterlief ihm ein Eigentor, zudem war er an zwei Gegentoren direkt beteiligt. Der aufkommende Hype um ihn kühlte merklich ab. Doch: Der Rückschlag war nur temporär.
In der Rückrunde kehrte er mit neuen Leistungen zurück – unter anderem mit einem spektakulären Reflex in der Nachspielzeit gegen den VfL Bochum, als er einen Kopfball aus kurzer Distanz noch abwehren konnte. Santos zeigte: Er lernt, er wächst.
Kommentare (0)
Keine Kommentare vorhanden!