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Richard Golz (Rumänien): "Nach 24 Stunden Vertrag unterschrieben"

von Tobias Schlitzke


Richard Golz (Foto: Firo)

Richard Golz war viele Jahre in der Bundesliga einer der Top-Keeper. Nach seiner Karriere als Spieler wurde er Torwarttrainer u.a. beim Hamburger SV und Herta BSC Berlin. Nun ist er seit Sommer TWT beim rumänischen Verband. Gegenüber torwart.de erzählt er exklusiv über seine Arbeit!

torwart.de: Richard, du bist seit einiger Zeit Nationaltorwarttrainer in Rumänien. Wie kam es dazu?

Richard Golz: Nach der für Rumänien etwas enttäuschenden Europameisterschaft wurde Christoph Daum Nationaltrainer und suchte einen Torwarttrainer für seinen Stab. Sowohl über den DFB in Person von Jörg Daniel als auch von Bernard Peters vom HSV, mit denen ich in regelmäßigem Kontakt stand, bekam Daum den Tipp mit mir. Es hat dann ein Telefonat zwischen Christoph Daum und mir und 24 Stunden gebraucht, bis die Sache geritzt war.

torwart.de: Du bist die meiste Zeit in Deutschland, fliegst aber zu den Spielen ein. Wie verfolgst du deine Torhüter?

Richard Golz: Hin und wieder scoute ich auch. Nachdem Tata unser erstes Länderspiel verletzt absagen musste, flog ich nach Florenz zum Spiel gegen den AS Rom, um mir ein Bild über seinen Zustand zu machen. Genauso kann es aber auch sein, dass ich nach Dänemark zum U-21 Länderspiel fahre, um mir ein Bild über die jüngeren Torhüter zu verschaffen. In der Regel bin ich aber auf Tools wie instatscout angewiesen. Das Budget für Scoutingeinsätze ist in Rumänien leider begrenzt.

torwart.de: Du bist häufig nur sehr kurz zusammen mit deinen Torhütern. Welche Akzente kannst du dabei setzen?

Golz: In der kurzen Zeit geht es darum, jeden Torhüter optimal zu versorgen. Das macht die Sache sehr reizvoll. Wenn Tata und Lung kommen, haben sie in der Regel gespielt und müssen erstmal regenerieren. Bei Pantilimon sieht es anders aus, der kann und muss sofort Gas geben. Beim letzten mal hatte ich mit Valentin Cojocaru noch einen vierten Torhüter dabei, um ihn kennenzulernen und zu gewährleisten, dass vom ersten Tag an für jede Spielform zwei voll belastbare Torhüter dabei sind. Silviu Lung z.B., unsere aktuelle Nummer 2b hatte im Sommer keine richtige Vorbereitung und war nicht wirklich fit. Mit Astra Giurgiu hat er Euroleague-Quali gespielt, sich mit dem Team für die Gruppenphase qualifiziert und während der laufenden Saison fast kein reguläres Training mehr. In den ersten beiden Abstellungsperioden haben wir die Zeit genutzt, um richtig hart zu trainieren. Jetzt ist er bei 100% und profitiert von unserer Zusammenarbeit. Das Wichtigste ist die Vorbereitung der Nummer 1 auf den kommenden Gegner. Welche Stärken hat der Gegner, arbeitet er mehr mit langen Bällen und Flanken oder handelt es sich um ein kombinationsstarkes Team? Daraus ergeben sich dann die Trainingsschwerpunkte für alle Torhüter. Grundsätzlich dreht sich aber mein Training viel um Wahrnehmen-Verstehen-Entscheiden-Reagieren. Reines Ausführungstraining ist nicht mehr zeitgemäß. Das Spiel ist für den Torwart zu komplex und schnell geworden, als dass man nur noch 500 Bälle pro Trainingseinheit aufs Tor ballert. Das kann man mal machen, ist aber eher die Ausnahme. Ich versuche auch so viel wie möglich Feldspieler ins Torwarttraining zu integrieren. Sei es individual- oder gruppentaktisch. Und auch bei Schüssen aufs Tor habe ich gerne Stürmer dabei. Die schießen in der Regel besser als ich - in der Regel (lacht).

torwart.de: Kannst du die Arbeit mit Christoph Daum, vor allem auf die Torhüter bezogen, beschreiben?

Golz: Perfekt: Ich habe alle Freiheiten, muss aber natürlich im Zweifel wie jeder Torwarttrainer mein Training flexibel halten, da jeder Mannschaftstrainer auch mal kurzfristig im Training 'ne neue Idee hat und deinen Plan sabotiert (lacht). Damit kann ich leben, das gehört dazu. Außerdem kann ich auch meine Vorstellungen mit einbringen, wenn es darum geht, die Torhüter in das Mannschaftstraining zu integrieren.

torwart.de: Wie ist sein Verständnis des Torhüters?

Golz: Sehr zeitgemäß. Wir wollen das Spiel konstruktiv aufbauen und brauchen einen Torwart, der Fußball spielen kann. Wenns um die Wurst geht, muss der Torwart allerdings meistens seine Hände nehmen. Das ist sein Kerngeschäft, daran wird er in erster Linie gemessen.

torwart.de: Wie ist das Torwartteam in Rumänien aufgestellt? Costel Pantilimon & Ciprian Tătărușanu haben beide vor kurzem Einsätze gehabt. Wie siehst du die beiden?

Golz: Beide bewegen sich auf einem ähnlichen Nivea, Tata hat den Vorteil regelmäßig in einem Team auf europäischem Spitzenniveau zu spielen. Beide sind sehr bodenständig und es macht großen Spaß, mit ihnen zu arbeiten.

Infos zu Richard Golz:
  • Nationalität: Deutschland
  • Geburtstag: 5. Juni 1968
  • Geburtsort: West-Berlin, Deutschland
  • Verein:Nationalmannschaft Rumänien
  • Position: Torwarttrainer
  • Größe (cm): 198cm
  • Besonderes: Golz studierte während seiner Zeit als Spieler beim Hamburger SV parallel zu seiner Profifußballkarriere Wirtschaftswissenschaften an der FernUni Hagen. Nach Abschluss seiner aktiven Karriere studierte er von 2011 bis 2013 an der Donau-Universität in Krems Sport- und Eventmanagement und schloss diesen Studiengang mit dem Master (MBA) ab. In der Saison 2015/16 arbeitete er für den Pay-TV Sender Sky als Torwartexperte und analysierte dabei regelmäßig die Torhüter der Bundesliga.

torwart.de: Wie sieht du generell den Torwartnachwuchs in Rumänien?

Golz: Auffällig ist, das sehr viele Torhüter in Rumänien deutlich über 1,90 m groß sind. Ein paar talentierte Jungs sind dabei, die auch schon in sehr jungen Jahren ins Ausland gewechselt sind. Das hängt auch viel mit den Bedingungen in Rumänien zusammen. Wenn du lieber die Nummer 3 im Ausland bist, aber sicher sein kannst, dass Du dein Geld bekommst, entwickelst du dich sportlich nicht optimal, wenn Du keine Einsätze bekommst. In der ersten Liga gibt es zu wenige rumänische Stammtorhüter, die jung sind. Die Generation von Tata, Panti und Lung ist um die 30 Jahre alt. Dahinter kommen nicht so viele, die Top-Nr.1-Potenzial haben. Die Breite hinter der Spitze ist sehr dünn.

torwart.de: Dein letzter Job im Tagesgeschäft war bei Hertha BSC. Wieso ging es dort nicht mehr weiter und wie siehst du deine Einflüsse dort in Bezug auf Torhüter heute?

Golz: Wie groß mein Einfluss heute noch ist, kann ich nicht beurteilen, dafür habe ich nicht mehr soviel Kontakt. Ich habe gerade im regelmäßigen Austausch mit den Kollegen in der Nachwuchsakademie immer deutlich gemacht, wie wichtig die Arbeit an den kleinsten Details ist. Dafür habe ich versucht ein noch größeres Bewusstsein zu schaffen. Außerdem finde ich, dass es keinem Torwart schadet, auch im läuferischem Bereich kontinuierlich zu arbeiten. Wenn Du siehst, wie groß der Aktionsradius von Manuel Neuer ist und wie viele Läufe er über eine Distanz von 10 bis 20 Metern in 90 min. absolviert, würde ich schon sagen, dass man das auch gezielt trainieren muss.

Spätestens nach dem Ende von Jos Luhukay, der mich zu Hertha holte und der Neuausrichtung mit Pal Dardai, wollte ich nicht mehr ausschließlich nur als Torwarttrainer arbeiten. Wir haben uns dann freundschaftlich getrennt. Ich habe einen Musterstudiengang in Sport- und Eventmanagement absolviert und noch viele andere Interessen. Nach meiner Zeit in Berlin habe ich bei Sky in regelmäßigen Abständen das Torwartspiel in der Bundesliga analysiert, im Moment berate ich ein Start Up in Berlin, das mit "Kick ID" Spielanalyse und Leistungsdiagnostik anbietet. In Kombination mit dem Job in Rumänien ist es perfekt. Ich liebe diese Vielfalt im Moment.

torwart.de: Wie schaut deine eigene Philosophie im Trainerbereich für Torhüter aus? Vom wem wurdest du inspiriert?

Golz: Als Torwarttrainer in Deutschland bist du schon ein Stück weit Autodidakt. Ich versuche auch viel bei anderen Sportarten zu kiebitzen. Zu meiner Zeit im HSV-Nachwuchs habe ich mal mit einigen Torhütern beim HSV-Handball mittrainiert. Da sieht man dann mal, was in puncto Mut, Konzentration und Leidensfähigkeit noch alles möglich ist. Beim Hockey kannst Du viel über Eins gegen Eins Situationen lernen, beim Volleyball über Sprungkraft, beim Basketball über Geschmeidigkeit von großen Kerlen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht zu viel mixt. Ich versuche so spielnah wie möglich zu trainieren, daher ist der Trainingsplatz bei mir eher reduziert gestaltet. In meinem Tor stehen keinen Hürden, die gibts ja im Spiel dort auch nicht und Sprungkraft trainiere ich eher isoliert und wie bereits erwähnt, spielt der kognitive Bereich eine große Rolle. Trainingswissenschaftlich ist meiner Meinung nach das Rad nicht mehr neu zu erfinden. Aber bei Wahrnehmung, Reaktion und Entscheidung ist noch viel rauszuholen.

torwart.de: Du warst beim HSV auch mal Co-Trainer. Hattest du auch Ambitionen mal ein komplettes Traineramt zu übernehmen?

Golz: Ich habe sogar übergangsweise beim HSV mal für zwei Monate die U16 trainiert. Das war sehr intensiv, lehrreich und hat großen Spaß gemacht. Ich glaube aber, dass ich andere Dinge besser kann.

torwart.de: Du hast selbst einen MBA als Abschluss. Wie wichtig ist es dir während seiner Arbeit mit den Keepern, auch auf die Wichtigkeit eines zweiten Standbeins hinzuweisen?

Golz: Auf der einen Seite kann es im Fußball durch eine Verletzung schnell vorbei sein und du musst dir einen anderen Job suchen. Nicht jeder kann dann Berater oder Trainer werden, obwohl es die meisten glauben. Auf der anderen Seite denke ich, dass es für ein stabiles Selbstvertrauen wichtig ist, sich auch in anderen Bereichen Erfolgserlebnisse zu holen oder auch mal abzuschalten, indem man gedanklich in eine andere Welt eintaucht. Das kann ein Studium sein, eine Ausbildung, ein Musikinstrument oder eine andere Sportart wie z.B. Golf. Der Mix machts. Nicht zu vergessen ist, dass das Spiel auch anspruchsvoller geworden ist und der Kopf noch mehr gefordert wird. Da reicht die Playstation meiner Meinung nach nicht aus (schmunzelt).

torwart.de: Wie schwierig war es für dich die Karriere zu beenden und nicht mehr selbst auf dem Platz zu stehen und „zu gewinnen?“

Golz: Ich habe bis fast 40 gespielt, da fiel es mir nicht mehr schwer aufzuhören, weil es nicht mehr gereicht hat. Du merkst allerdings erst so richtig, wie einzigartig dieser Job ist, wenn es vorbei ist. Diese Emotionalität, in der 90. Minute einen Elfmeter zu halten und damit den Sieg zu retten, das erlebst du so nicht mehr. Daran muss sich tatsächlich auch der Körper gewöhnen.

torwart.de: Danke dir.

Golz: Bitte sehr und gerne!

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