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Torhüter als Trainer? Eine Kolumne von Manuel Baum


M. Baum (Foto - Firo)

Manuel Baum ist neuer Cheftrainer beim FC Augsburg. Damit hat etwas geschafft, was nur wenige ehemalige Keeper ereichen. Denn die meisten werden - wenn überhaupt - Torwarttrainer. Baum schaute vor einigen Jahren sich das Thema für TORWART schon einmal genauer an.

Von Manuel Baum: Torhüter als Trainer

Es liegt ein bisschen zurück, dass sich Pep Guardiola und Julen Lopetegui täglich begegneten. Mitte der 90er Jahre ordnete der Katalane Guardiola das Mittelfeld des FC Barcelona, während der Baske Lopetegui das Team von der Ersatzbank unterstützte. Als Torhüter trug er das Los der Nummer zwei oder drei. Eine schöne Geschichte, dass sich Guardiola und Lopetegui nun im Champions-League-Viertelfinale zwischen dem FC Porto und dem FC Bayern (Mittwoch 20.45 Uhr, live im ZDF) als Cheftrainer wiedersehen. Vermutlich wird sich Guardiola beim Händedruck mit seinem 48-jährigen Gegenüber im Estádio do Dragão gar nicht bewusst sein, dass er einem Außenseiter begegnet. Denn ehemalige Torhüter in verantwortlicher Trainerposition sind selten.

Lopetegui, der einmal in der spanischen Nationalmannschaft eingesetzt wurde und in Barcelona im Schatten des portugiesischen Klassekeepers Vitor Baia stand, kam vergangenen Sommer nach Porto, weil der Präsident Jorge Nuno Pinto da Costa einen Kurswechsel wollte. "Die Spieler hatten zuletzt zwar das Porto-Trikot an, waren aber mit Kopf und Herz woanders. Lopetegui ist der ideale Trainer, um enge Mentalitäten aufzubrechen." Der Pragmatiker, der zuvor vier Jahre lang erfolgreich im spanischen Verband verschiedene Nachwuchsmannschaften betreut hatte, brachte dem FC Porto wieder das alte Selbstverständnis bei.

Dass Torhüter als Trainer erfolgreich arbeiten, ist die große Ausnahme geworden. Sicher, der legendäre Dino Zoff arbeitete fast zwei Jahrzehnte als Trainer, gewann mit Juventus Turin den Uefa-Pokal, coachte Lazio Rom und AC Florenz und wäre beinahe mit Italien 2000 Europameister geworden, wenn nicht Frankreich in der Nachspielzeit noch ausgeglichen hätte. Doch hierzulande ist unter den 36 Lizenzvereinen gar kein Torhüter mehr in der Chefrolle zu finden. Der 471-fache Bundesligatorwart Oliver Reck wurde im Februar in Düsseldorf entlassen.

Befinden sich unter der Torlatte Sonderlinge, die das Anforderungsprofil eines Fußballlehrers nicht erfüllen? Lutz Hangartner, Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), hat sich mit dem Thema befasst. "Nur fünf Prozent der Profis sind Torhüter, aber der geringere Anteil ist selbst noch keine plausible Erklärung", sagt er. Früher habe der psychologische Ansatz gegriffen, dass es sich bei den Torhütern "mehr um Individualisten handelt, die sich zuerst mit ihrem eigenen Job befassen", aber heute werde auf dem Feld ein ganz anderes Profil verlangt.

Trotzdem gilt, was Hangartner feststellt: "Die meisten Torhüter sind wie Sternschnuppen aufgetaucht und wieder verglüht." Er meint Karrieren wie die von Toni Schumacher (1998 bis 2000 bei Fortuna Köln) oder Ralf Zumdick (1999 bis 2001 beim VfL Bochum), die keine prägenden Fußabdrücke im Metier hinterließen. Schumacher musste sogar eine der spektakulärsten Entlassungen als Trainer ertragen. Bei einem 0:2-Halbzeitrückstand gegen Waldhof Mannheim tauchte Präsident und Mäzen Jean Löring wutentbrannt in der Kabine auf und sagte zum ehemaligen Nationaltorwart: "Raus hier! Du hast hier nichts mehr zu sagen."

Wo bleiben Kahn und Lehmann?

Hangartner glaubt, dass ehemalige Torhüter immer noch bei einer Mannschaft und dem Umfeld mit Vorbehalten zu kämpfen hätten. Motto: "Was will der uns denn erzählen, der hat doch nur im Tor gestanden." Ist der Keeper also nicht kompetent genug? Das Gegenteil hätten die sich in Abneigung verbundenen Charakterköpfe Oliver Kahn und Jens Lehmann beweisen können, zumal Kahn die A-Lizenz erworben und Lehmann in der Schweiz die mit der Fußballlehrerlizenz gleichgestellte Uefa-Pro-Lizenz absolviert hat. Hangartner sagt: "Ich habe auf die beiden gehofft, aber sie sitzen lieber im warmen Fernsehstudio als Experte, statt sich im rauen Alltag als Trainer zu beweisen."

Der Ex-Nationaltorhüter Andreas Köpke arbeitet immerhin seit mehr als einem Jahrzehnt als Torwarttrainer bei der Nationalmannschaft. Das ist ohnehin der Job, auf den es die meisten ehemaligen Tormänner zieht. So wie Wolfgang "Teddy" de Beer, der seit 2002 bereits bei Borussia Dortmund seine Nachfolger betreut. "Es ist eine spezielle Position innerhalb der Mannschaft, und daher ist es vonnöten, dass man selber Torwart gewesen ist, um den Torwart zu trainieren. Viele Cheftrainer geben zu, dass sie dazu zu wenig Bezug haben. In diesem Bereich kennen sich ehemalige Torhüter am besten aus", sagt er. "Und weil dieses Segment so stark geworden ist, machen sich viele Kollegen gar keine Gedanken, Cheftrainer zu werden. Aber wenn jemand Lust dazu hat, sollte er den Sprung ruhig machen."

Doch darauf wartet die Liga eher nicht. "Vielleicht wird den Torhütern nicht so viel Vertrauen entgegengebracht", vermutet auch der Mainzer Cheftrainer Martin Schmidt. Der Bundesliga-Quereinsteiger hat in der Schweiz registriert, dass frühere Goalies zumeist eine eigene Qualifizierung als Torwarttrainer anstreben, die dort seit Längerem angeboten werde. Auch über den DFB kann mittlerweile ein Schein als Torwarttrainer in einer dreistufigen Ausbildung bei den Landesverbänden erworben werden.

"In der Fußballlehrerausbildung haben wir im Schnitt einen Ex-Torhüter dabei", sagt der Chefausbilder Frank Wormuth. "Es ist wirklich schwer zu erklären, warum das Phänomen auftritt und so wenige Torhüter Cheftrainer werden." Auch Wormuth vermutet, dass möglicherweise eine generelle Abneigung eher dahinter steckt als ungleiche Zahlenverhältnisse. "Eigentlich müsste der Torhüter auf der einen Seite der beste Trainer sein, weil er immer im Spiel den besten Überblick hat. Auf der anderen Seite aber trainieren die Torhüter oft separat zur Mannschaft und bekommen so die fußballtaktischen Prinzipien nicht am eigenen Leib mit, sondern nur in der Theorie. Vielleicht ist deshalb die Wahrscheinlichkeit bei Ex-Spielern höher, als Trainer eingestellt zu werden."

Als vergangenen Monat der 61. Fußball-Lehrer-Lehrgang an der Hennes-Weisweiler-Akademie zu Ende ging und den 24 Absolventen bei einem Festakt die Lizenz nach dem zehnmonatigen Kurs überreicht wurde, war nur einziger ehemaliger Keeper dabei. Florian Kohfeldt, der seit Jahren im Stab von Viktor Skripnik arbeitet. Der Cheftrainer des SV Werder nennt den ehemaligen Torhüter, der aber nur in der dritten Werder-Mannschaft in der fünftklassigen Bremen-Liga spielte, seinen "Studenten", dem er viele taktische Fragen anvertraut. Kohfeldt hat als Lehrgangsbester abgeschlossen.

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